Der Weg zu meinem Herzensprojekt begann mit meinen eigenen Erfahrungen.
Ab meinem 15. Lebensjahr habe ich hormonell verhütet. Schon damals reagierte mein Körper sensibel auf die hormonellen Veränderungen. Als ich mit 21 meinen Hormonring absetzte, ging es mir körperlich und emotional sehr schlecht. Ich hatte starkes PMS, depressive Verstimmungen, Gefühlschaos und das Gefühl, die Verbindung zu mir selbst verloren zu haben.
Das Schwierigste daran waren nicht einmal die Symptome. Es war das Gefühl, mich selbst nicht mehr wiederzuerkennen und gleichzeitig keine Lösung zu finden. Ich wusste nicht mehr, wer ich eigentlich bin, warum es mir so ging und vor allem nicht, wie ich da wieder herauskommen sollte.
Auch bei Ärzt*innen fand ich damals wenig Antworten. Meine Beschwerden wurden eher als etwas abgetan, das eben „normal“ sei und mit dem ich leben müsse oder “die mit der Zeit vergehen werden”. Aber für mich fühlte es sich alles andere als normal an. Ich war verzweifelt, nicht nur, weil es mir schlecht ging, sondern weil mir niemand sagen konnte, warum oder was ich verändern konnte.
Genau diese Hilflosigkeit brachte mich irgendwann dazu, selbst nach Antworten zu suchen. Und damit begann ein Weg, der bis heute andauert: ein Weg zurück zu mir selbst, zu meinem Körper und zu einem tieferen Verständnis davon, was Gesundheit für mich eigentlich bedeutet.
Gesundheit ist für mich mehr als die Abwesenheit von Symptomen
Hallo, ich bin Hannah.
Auf der Suche nach Antworten merkte ich schnell, wie komplex Gesundheit ist. Einzelne Symptome isoliert zu betrachten, hat mir persönlich wenig weitergeholfen. Auch in der klassischen Medizin fand ich lange nicht die Antworten, nach denen ich gesucht hatte.
Je mehr ich mich mit meinem Zyklus, Hormonen, Ernährung, Nervensystem, Stress, Körperarbeit und Lebensstil beschäftigte, desto mehr begann ich zu verstehen, wie sehr all diese Bereiche miteinander verbunden sind.
So fand ich zur holistischen Gesundheit – einem Verständnis von Gesundheit, das für mich bis heute am meisten Sinn ergibt. Gerade bei Zyklusbeschwerden können wir den Körper für mich nicht losgelöst von Ernährung, Stress, Schlaf, Nervensystem, Bewegung, Emotionen oder unserem Lebensumfeld betrachten.
Aus dem Wunsch heraus, dieses Wissen nicht nur für mich zu nutzen, sondern auch weitergeben zu können, entstand schließlich die Vision für die Arbeit die ich heute mache.
Heute lebe ich weitgehend beschwerdefrei. Aber vielleicht noch wichtiger: Ich habe eine völlig andere Beziehung zu meinem Körper.
Mein Körper muss nicht lernen, jeden Tag gleich zu funktionieren.
Ich habe lange versucht, mit einem zyklischen Körper in einer linearen Welt zu funktionieren: leistungsfähig sein, weitermachen, durchhalten, möglichst jeden Tag dieselbe Version von mir sein.
Und wenn das nicht funktioniert hat, habe ich das Problem bei mir gesucht.
Irgendwann habe ich verstanden: Vielleicht ist nicht mein Körper das Problem. Vielleicht passt die Art, wie wir leben und funktionieren sollen, einfach nicht immer zu dem, was unser Körper braucht.
Unsere Welt richtet sich kaum danach, dass Energie, Bedürfnisse und Belastbarkeit sich verändern können. Arbeit, Termine und Verpflichtungen laufen weiter – egal, was der Körper gerade signalisiert. Und häufig lernen wir deshalb nicht, auf diese Signale zu hören, sondern sie möglichst lange zu übergehen.
Für mich hat genau das irgendwann nicht mehr funktioniert.
Ich kann die Welt um mich herum nicht vollständig verändern. Aber ich kann entscheiden, wie viel von dieser Welt ich zu meiner eigenen mache. Ich kann Erwartungen hinterfragen, meine Bedürfnisse ernster nehmen und mir dort, wo es möglich ist, Strukturen schaffen, die zu mir und meinem Körper passen.
Für mich bedeutet zyklisch zu leben deshalb nicht, mein Leben perfekt nach vier Zyklusphasen durchzuplanen. Und schon gar nicht, meinen Zyklus zu nutzen, um noch produktiver zu werden.
Es bedeutet, mich selbst so gut kennenzulernen, dass ich wahrnehme, was ich gerade brauche und mir immer öfter erlaube, danach zu handeln.
Nicht meinen Körper an mein Leben anzupassen, sondern auch mein Leben immer wieder an mich.
Und dieses Kennenlernen hört nicht irgendwann auf. Unser Körper verändert sich. Unser Leben verändert sich. Unsere Bedürfnisse und Grenzen verändern sich.
Die Beziehung zum eigenen Körper ist für mich deshalb kein Ziel, das man irgendwann erreicht. Sie ist eine Beziehung, die wir immer wieder neu kennenlernen und gestalten dürfen.
Und diese Reise ist es wert.
Zyklusgesundheit ist nicht gleich Frau sein
Auf meinem eigenen Weg ist mir noch ein anderer blinder Fleck begegnet.
Ich bin non-binär und sehe mich selbst nicht als Frau.
Gleichzeitig findet Zyklusgesundheit fast ausschließlich unter dem Begriff „Frauengesundheit“ statt.
Und ich finde es unglaublich wichtig, dass Frauengesundheit endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt. Dass Beschwerden ernst genommen werden, Forschungslücken sichtbar werden und Themen wie Menstruation, Hormone und Zyklus nicht länger tabuisiert werden.
Aber wenn wir dabei Zyklus automatisch mit Frau-Sein gleichsetzen, entsteht gleichzeitig ein neuer blinder Fleck.
Denn nicht jeder Mensch mit Zyklus ist eine Frau.
Das ist für mich nicht nur eine Frage inklusiver Sprache. Ich kenne selbst Momente, in denen ständig von „uns Frauen“, „weiblicher Energie“ oder „femininer Verkörperung“ gesprochen wird und ich merke: Dieser Raum, in dem es eigentlich um einen Körper wie meinen geht, meint mich plötzlich nicht mehr mit.
Mein Zyklus macht mich nicht zur Frau. Und mich mit meinem Zyklus zu verbinden bedeutet für mich nicht, mich mit meiner „Weiblichkeit“ zu verbinden.
Deshalb möchte ich Räume schaffen, in denen unterschiedliche Geschlechtsidentitäten selbstverständlich Platz haben. In denen wir die Realität von Frauengesundheit und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten benennen können, ohne Körper und Geschlecht gleichzusetzen.
Und in denen Zyklusarbeit nicht bedeutet, weiblicher zu werden.
Sondern vielleicht etwas viel Grundlegenderes:
sich selbst näherzukommen.
Was meine Arbeit heute prägt
Neben meiner Arbeit studiere ich Erziehungswissenschaften und beschäftige mich viel mit Körperbildern, Geschlechterrollen, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Strukturen.
Das prägt auch meine Perspektive auf Gesundheit.
Denn je mehr ich mich mit meinem eigenen Körper beschäftigt habe, desto weniger konnte ich Gesundheit isoliert betrachten. Ernährung, Schlaf, Nervensystem, Stress, Bewegung und Hormone spielen eine Rolle – aber genauso die Bedingungen, unter denen wir leben.
Wir leben nicht im luftleeren Raum.
Arbeit, Leistungsdruck, Geschlechterrollen, finanzielle Möglichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen beeinflussen unseren Alltag – und damit auch, wie viel Raum wir unseren Bedürfnissen überhaupt geben können.
Deshalb möchte ich Menschen nicht vermitteln, sie müssten sich nur besser ernähren, mehr regulieren, ihren Zyklus perfekt tracken und noch konsequenter an sich arbeiten.
Zyklusarbeit sollte für mich nicht die nächste Form der Selbstoptimierung werden.
Und sie sollte uns nicht dabei helfen, einen zyklischen Körper noch effizienter an eine lineare Welt anzupassen.
Sie darf uns auch dabei helfen, diese Welt zu hinterfragen.
Es geht mir darum, den eigenen Körper wirklich kennenzulernen. Seine Signale ernst zu nehmen. Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen. Und Stück für Stück herauszufinden, wie ein Leben aussehen kann, das nicht permanent gegen den eigenen Körper arbeitet.
Abseits meiner Arbeit finde ich diese Verbindung vor allem in der Natur. Ich liebe die Berge, Bewegung, Tanzen, Yoga und Meditation – alles, was mich wieder ins Spüren und näher zu mir selbst bringt.
Achtsamkeit, Verbindung, offene Kommunikation, Kreativität, Reflexion, Spiritualität und ein respektvoller Umgang miteinander und mit uns selbst sind Werte, die mich privat genauso begleiten wie in meiner Arbeit.